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Projekt „B.A.U.M. Zukunftsfonds regional“ gestartet

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Mit der Auswahl der Städte Aachen und Norderstedt sowie des Landkreises Berchtesgadener Land als Pilotkommunen kann das Projekt „B.A.U.M. Zukunftsfonds regional" zur Unterstützung der Energiewende in die praktische Umsetzung gehen. Das Projekt mit einer Laufzeit von Oktober 2013 bis März 2016 wird vom Bundesumweltministerium im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative gefördert. Die Projektbetreuung liegt beim Projektträger Jülich (PTJ).
 
Ziel des Projekts ist die Umsetzung des von Prof. Dr. Maximilian Gege, dem Vorsitzenden von B.A.U.M. e.V., initiierten „Zukunftsfonds" auf kommunaler Ebene. Die Idee des Zukunftsfonds ist es, Privatkapital von Bürgern und anderen Anlegern gegen eine attraktive Verzinsung zu akquirieren und damit Energieeffizienzmaßnahmen insbesondere in Unternehmen, aber auch in öffentlichen Einrichtungen und ggf. auch in Privathaushalten zu finanzieren. Der Zukunftsfonds wird in Form einer eingetragenen Genossenschaft organisiert, der idealen Unternehmensform zur Organisation des Gemeinschaftsprojekts Energiewende. Anders als die bereits zahlreichen Bürgerenergiegenossenschaften, die den Ausbau erneuerbarer Energien vorantreiben, richtet der Zukunftsfonds sein Augenmerk primär auf die zweite, zu oft vernachlässigte Säule der Energiewende: die Steigerung der Energieeffizienz und Energieeinsparung.

Das innovative Modell bietet gegenüber bisherigen Finanzierungsmöglichkeiten erhebliche Vorteile: Die Investition in mehr Energieeffizienz kostet den Anwender kein Geld. Er muss keinen Kredit aufnehmen und seine Verschuldung erhöhen. Er profitiert stattdessen von Anfang an von den Energieeinsparungen, aus denen auch die Refinanzierung der Investition erfolgt.

Deutschlandweit wurde der Zukunftsfonds bereits in Form einer eingetragenen Genossenschaft erprobt. Die B.A.U.M. Zukunftsfonds eG hat bisher Effizienzmaßnahmen mit einem Investitionsvolumen von einer halben Million Euro erfolgreich finanziert; weitere Projekte in Höhe von über drei Millionen Euro sind in Planung.

Mit dem neuen Projekt sollen die Funktionsfähigkeit und der Nutzen des Modells auf regionaler bzw. kommunaler Ebene aufgezeigt werden. Kommunen sind entscheidend für den Erfolg der Energiewende. Sie können die Energiewende vor Ort koordinieren und bündeln, indem sie Bürger, Unternehmen und alle anderen Akteure einbeziehen, und sie können regionale Finanzierungsmodelle für die Energiewende wie z.B. Bürgerenergiegenossenschaften initiieren.

Das Modell Zukunftsfonds findet in den Kommunen in Deutschland große Beachtung. Über 30 Kommunen hatten im Vorfeld des Projekts ihr Interesse bekundet. Die Wahl fiel schließlich auf die Städte Aachen und Norderstedt sowie den Landkreis Berchtesgadener Land, weil dort den Themen Energieeffizienz und Klimaschutz besonders große Aufmerksamkeit zugewendet wird und bereits ausgearbeitete kommunale Klimaschutzkonzepte vorliegen.

„Durch einen regionalen Zukunftsfonds in ihrem Einzugsgebiet können die beteiligten Kommunen ihre Vorreiterstellung in Sachen Energieeffizienz weiter ausbauen, ein grünes Wachstum ankurbeln und Arbeitsplätze sichern und schaffen.", so Prof. Dr. Gege, der das innovative Modell Zukunftsfonds erdacht hat.

Ziel ist es im ersten Schritt, geeignete Energieeffizienzmaßnahmen in dortigen Unternehmen, kommunalen Einrichtungen sowie Privathaushalten zu identifizieren und anschließend die erforderlichen Strukturen zur Umsetzung des Pilotprojekts „Regionaler Zukunftsfonds" zu schaffen.

Mit dem Zukunftsfonds sollen v.a. Maßnahmen realisiert werden, die ohne dieses Projekt von B.A.U.M. nicht zustande gekommen wären: weil es entweder kein Bewusstsein für die Energieeinsparmöglichkeiten gab oder die notwendigen Finanzmittel nicht zur Verfügung standen.

Eine Umfrage der Deutschen Energie-Agentur (dena) von Oktober 2013 bei 160 Kommunen ergab, dass drei Viertel der Befragten davon ausgehen, dass die Bedeutung der Themen Energieeffizienz und Klimaschutz in Zukunft weiter steigen wird. Im Bereich Unternehmen ist der Hebel zum Energiesparen am größten: Einer Studie des Fraunhofer-Instituts und der Universität Stuttgart von 2012 zufolge liegt das Einsparpotenzial in manchen Industriebetrieben bei 70 % der Energiekosten. Untersuchungen der B.A.U.M. Consult zufolge, die über 1.000 Unternehmen beraten hat, lassen sich Kostensenkungen in Höhe von durchschnittlich 30 % erreichen, wenn Unternehmen ihr Energiesystem überprüfen und die Einzelkomponenten aufeinander abstimmen. Der Fokus des Projekts liegt daher auf der Umsetzung von Effizienzmaßnahmen in Unternehmen. Eine weitere Zielgruppe ist die Wohnungswirtschaft. In etwas kleinerem Umfang sollen auch Effizienzmaßnahmen in Privathaushalten unterstützt werden. Hier liegen die Potenziale vor allem in der Heizungssanierung.

Bundesweite Multiplikatorenwirkung
In jeder der drei Pilotkommunen sollen nun Zukunftsfonds aufgebaut und Effizienzmaßnahmen initiiert werden. Durch Veranstaltungen und eine begleitende Öffentlichkeitsarbeit soll zudem eine verstärkte Aufmerksamkeit für die Potenziale der Energieeffizienz geschaffen werden. Von den Erfahrungen aus diesen Pilotprojekten profitieren später bei einer verbreiteten Anwendung des Konzepts andere Kommunen und Regionen in ganz Deutschland, Europa und der ganzen Welt. Aufgrund des regen Interesses am Modellprojekt wird zudem ein Arbeitskreis für weitere an einem Zukunftsfonds interessierte Kommunen eingerichtet.