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1. Was ist REEG?
REEG ist das Kürzel für RegionaleEnergieEffizienzGenossenschaft(en). Dabei handelt es sich um eine neue Art von Energiegenossenschaft.

Während die rd. 1.000 bestehenden Energiegenossenschaften in Deutschland als Geschäftsfelder den Bau und Betrieb erneuerbarer Energieanlagen bzw. von KWK-Anlagen oder den Netzbetrieb haben, ist das zentrale Geschäftsfeld der Energieeffizienzgenossenschaften die Steigerung von Energieeffizienz & Energieeinsparung. Lokales Tätigkeitsgebiet der REEG ist eine größere Kommune oder eine Region. Das Motto lautet: Aus der Region – für die Region!

2. Woher kommt die Idee?
Das Modell REEG basiert auf Idee und Konzept des „Zukunftsfonds" von Prof. Dr. Maximilian Gege, Vorsitzender von B.A.U.M. e.V., erstmals publiziert in dem Buch „Die Zukunftsanleihe" (2004).
 
In einer weiteren Veröffentlichung „Erfolgsfaktor Energieeffizienz: Investitionen die sich lohnen – Wie Unternehmen und öffentliche Einrichtungen Energie und Kosten einsparen können" (2011) wurde das Konzept zur B.A.U.M. Zukunftsfonds-Genossenschaft weiterentwickelt. Im Rahmen eines vom Bundesumweltministerium geförderten Pilotprojekts (s. 6.) wurde daraus 2014 das Modell REEG.

3. Warum REEG?
Die Energiewende in Deutschland hat sich bislang auf den Ausbau erneuerbarer Energienkonzentriert. Unsere größte heimische "Energiequelle" heißt jedoch Energieeffizienz.
 
Der Energiewende 1.0 (Erneuerbare) muss die Energiewende 2.0 (Energieeffizienz) folgen. Mit der Verabschiedung des Aktionsprogramms Klimaschutz 2020 und des Nationalen Aktionsplans Energieeffizienz (NAPE) im Dezember 2014 hat die Bundesregierung die Energiewende, zweiter Teil, eingeläutet. Das Aktions-programm beinhaltet Maßnahmen für eine zusätzliche  Minderung von 62-78 Mio. Tonnen CO2-Äquivalenten. Mit 25-30 Mio. Tonnen den größten Anteil soll die Energieeffizienz durch NAPE erbringen. Gesucht sind dafür neue Akteure und neue Rendite- und Geschäftsmodelle, die Effizienzgewinne der Zukunft in Liquidität für Investitionen der Gegenwart versetzen. REEG ist ein solches innovatives Modell.

4. Welche Ziele verfolgen REEG?
Hauptziel einer REEG ist die Beseitigung überflüssigen Energieverbrauchs in der Region.
 
Überflüssig ist Energieverbrauch immer dann, wenn er ohne Nutzeneinbuße reduziert werden kann, z.B. durch Verhaltensänderung und/oder Anwendung moderner Technik. Die REEG will Unternehmen, Kommunen, Vereinen und sonstigen Organisationen sowie Privathaushalten helfen, Energieeffizienzpotenziale zu heben, die sonst nicht oder erst viel später realisiert würden. Sie überwindet die drei Haupthindernisse, die einer Durchführung von Effizienzinvestitionen oft im Weg stehen: Mangel an Knowhow, Zeit und Investitionsmitteln. REEG will Energieeffizienz nicht zuletzt im Gebäudebereich voranbringen, die Eigenverantwortlichkeit für Energieeffizienz erhöhen und ein intelligentes Modell etablieren, das weit mehr ist als ein Rendite- und Geschäftsmodell, nämlich ein ganzheitliches Konzept für Energieeffizienz in der Region durch Hilfe zur Selbsthilfe.

5. Wie funktionieren REEG?
Eine REEG versammelt im Idealfall alle relevanten Kräfte der Region unter ihrem Dach. Mitglieder können und sollen Kommunen, Betriebe, Banken, Vereine und Verbände und vor allem Bürger werden.
 
Sie stellen der Genossenschaft Kapital hauptsächlich in Form von sog. Nachrangdarlehen zur Verfügung und erhalten darauf eine attraktive Verzinsung. Die REEG investiert diese Mittel in (hoch) rentable Energieeffizienzprojekte ihrer Mitglieder und Kunden. Aus den Energieeinsparungen deckt sie ihre Kosten – die Verzinsung der Darlehen sowie die Verwaltungskosten – und zahlt die Darlehen zurück. Das Schaubild zeigt die Organisationsstruktur und Funktionsweise der REEG:
  
 
REEG funktionieren im Prinzip nach dem Modell Einspar-Contracting. Die REEG führt beim Kunden Energieeffizienzmaßnahmen durch und senkt damit die Energiekosten. Einen Teil der Einsparungen (10 bis 30 %) kann von Anfang an der Kunde behalten. Der Löwenanteil geht während der Vertragslaufzeit an die REEG zur Kostendeckung. Nach Vertragsende verbleibt die Einsparung in voller Höhe beim Kunden. Das Funktionsprinzip von ESC zeigt nachfolgendes Schaubild:
 
 
 

6. Gibt es schon REEG?
Ja, wenn auch erst wenige.
 
Es gibt die 2010/2011 gegründete bundesweit agierende B.A.U.M. Zukunftsgenossenschaft in Hamburg (http://www.baumzg.de/). Nach dem Muster dieser „Mutter-Effizienzgenossenschaft" werden derzeit in einem vom Bundesumweltministerium i.R. der Nationalen Klimaschutzinitiative geförderten Projekt in drei Pilotkommunen Regionale EnergieEffizienzGenossenschaften etabliert (Stadt bzw. Städteregion Aachen, NRW, Landkreis Berchtesgadener Land, Bayern, Stadt bzw. Verwaltungsgemeinschaft Norderstedt, Schleswig-Holstein) und erprobt. Die Ergebnisse werden in einer Dokumentation mit Leitfaden für Nachahmer im März 2016 veröffentlicht (www.reeg-info.de/). Weitere REEG sind in verschiedenen Regionen/Städten geplant.

7. Was unterscheidet REEG von verwandten Geschäftsmodellen und Bankenfinanzierung?
Verwandte innovative Geschäftsmodelle sind das klassische Energie-Contracting, Crowdfunding-Modelle, sowie Investmentfonds für Energieeffizienz. All diese Modelle einschließlich REEG sind Alternativen zur Durchführung auch von Effizienzinvestitionen nach traditionellem Muster, d.h. in Eigenregie und mit Kreditfianzierung.
 
Von klassischen Contracting-Unternehmen grenzen sich REEG ab durch die genossenschaftliche Unternehmensform (Förderung der Belange der Mitglieder im Vordergrund), die Eigentümerstruktur (viele/alle relevanten Stakeholder aus der Region) und das Kerngeschäftsfeld (Energieeffizienz ohne Nebenbedingungen). Außerdem haben REEG ein Interesse daran, die regionale Wirtschaft zu stärken, das heißt bei der Auftragsvergabe nach Möglichkeit heimische Betriebe zu berücksichtigen und das notwendige Geld zur Finanzierung der Investitionen von den Bürgern der Region zu erhalten, wodurch auch die Zinsen im Idealfall in der Region bleiben.
 
Von Crowdfunding-Plattformen für Energieeffizienz unterscheiden sich REEG v.a. im Leistungsangebot. REEG offerieren dem Kunden ein All-in-Servicepaket bestehend aus Durchführung der Investition mit Einspargarantie plus Finanzierung plus Gewährleistung. Crowdfunding-Plattformen vermitteln im Wesentlichen nur die Finanzierung und bieten ggf. eine kommunikative Zusatzleistung an. Da immer nur ein einzelnes Projekt finanziert wird, ist das Anlegerrisiko deutlich größer.
 
Auch Private Investmentfonds für Energieeffizienz konzentrieren sich auf die Rolle als Finanzdienstleister. Sie sind nicht selbst Contractor, sondern finanzieren Contractoren. Die Projektmindestgröße liegt i.d.R. bei mindestens 1 Mio. Euro., während REEG deutlich kleinere Projekte umsetzen und finanzieren.
 
Von der reinen Bankenfinanzierung unterschiedet sich REEG dadurch, dass sie dem Kunden eine bilanzneutrale Finanzierung bietet und darüber hinaus auch die technische und operative Umsetzung der Investition mit Einspargarantie (All-in-Servicepaket). Es macht deshalb wenig Sinn, die Konditionen der REEG mit Bankkonditionen, sprich Kreditzinsen, zu vergleichen, da die jeweilig zugrundeliegenden Leistungspakete überhaupt nicht vergleichbar sind. Die Genossenschaftsmittel (und die technische Durchführung über die eG) können mit einer klassischen Bankenfinanzierung kombiniert werden, indem sie als Eigenmittelersatz fungieren. Bankenfinanzierte Effizienzinvestitionen werden unter Umständen auf diese Weise erst möglich.

8. Wie groß sind die Einsparpotenziale?
Die Potenziale zur Steigerung der Energieeffizienz sind riesig.
 
Das geht aus der bundesdeutschen „Effizienzlandkarte" hervor, die schaubildhaft die Ergebnisse einer Untersuchung im Auftrag der Bundesregierung darstellt (Fraunhofer/ifeu/Prognos-Studie „Energieeffizienz: Potenziale, volkswirtschaftliche Effekte und innovative Handlungs- und Förderfelder", 2011)
 
 
Man sieht auf einen Blick, wo die größten Effizienzpotenziale schlummern: Erstens in der Gebäudesanierung und Heizungserneuerung bei Haushalten und im Sektor GHD einschließlich staatliche und kommunale Liegenschaften, zweitens bei Pkw und drittens im Sektor Industrie (Querschnittstechnologien und Branchentechnologien). Weitere Potenzialschwerpunkte sind Beleuchtung, Weisse Ware und IuK-Geräte in Haushalten sowie Beleuchtung einschließlich Strassenbeleuchtung , Optimierung RLT-Systeme und Bürogeräte im Sektor GHD.
 
In Zahlen ausgedrückt und umgerechnet in kWh werden die Einsparpotenziale in den vier volkswirtschaftlichen Sektoren bei einer ambitionierten Effizienzstrategie wie folgt beziffert:
 
Quelle: Fraunhofer/ifeu/Prognos-Studie „Energieeffizienz: Potenziale, volkswirtschaftliche Effekte und innovative Handlungs- und Förderfelder", 2011 und eigene Umrechnung von PJ in kWh
 
Wenn man die kWh (Strom, Wärme bzw. Treibstoff) konservativ mit durchschnittlich 10 Cent ansetzt, dann könnten im Jahr 2020 rd. 35 Milliarden Euro und im Jahr 2030 rund 58 Mrd. Euro durch Realisierung der wirtschaftlichen Energieeffizienzpotenziale eingespart werden. Für die Erschließung der Effizienzmaßnahmen wäre bis 2030 ein Investitionsvolumen von jährlich rd. 15 Mrd. Euro notwendig.

9. Für wen ist das REEG-Modell interessant?
Erstens für alle bestehenden Energiegenossenschaften, die nach neuen Geschäftsfeldern suchen, z.B. weil ihre traditionellen Geschäftsfelder wegen der veränderten Rahmenbedingungen stagnieren oder die einfach ihre Genossenschaft um das aktuelle Geschäftsfeld Energieeffizienz erweitern wollen.
 
Diesen Weg hat z.B. die VR EnergieGenossenschaft Oberbayern Südost e.G. im Rahmen des Pilot-projekts REEG (s. FAQ 1. und 2.) beschritten.
Zweitens eröffnet das REEG-Modell all denen Perspektiven, die eine Energiegenossenschaft neu gründen und auf ein zukunftsträchtiges Geschäftsfeld aufbauen wollen. Angesprochen sind Kommunen, Wirtschaft und Bürger vor Ort, die Energieeffizienz durch ein regionales Modell der Hilfe zur Selbsthilfe voranbringen wollen.     
Das REEG-Modell ist somit für die über 11.000 Städte und Gemeinden In Deutschland und für alle Bürgerinnen und Bürger mit privatem Geldvermögen interessant.

10. Gibt es eine Vision bezgl. REEG?
Die Vision ist, REEG als d a s neue Rendite-und Geschäftsmodell zur Hebung der Energieeffizienzpotenziale in Deutschland zu etablieren.
 
Dazu soll ein Netz von vielen REEG aufgebaut werden, die jeweils das Ziel haben, durch eine konzertierte Aktion der relevanten Stakeholder ihre Region energieeffizient zu machen, auf genossenschaftlicher und damit Social Business-Basis und finanziert durch Bürgerkapital.